Militärhistorisches Museum der BundeswehrLandesamt für Archäologie - SachsenArchäologisches Landesmuseum Brandenburg im Paulikloster
1636 - Trailer

Ein Blick tieferA closer look

In zehn Kapiteln tauchen Sie in die Zeit des frühen 17. Jahrhunderts ein. Die damaligen Lebensverhältnisse und geschichtlichen Ereignisse werden jeweils aus zwei Blickwinkeln beleuchtet: dem historischen und dem naturwissenschaftlichen. Diese beiden parallelen Erzählstränge ergänzen sich gegenseitig und bieten ein umfassendes Bild des Dreißigjährigen Krieges und des Lebens im frühen Barock.

1 Das einzigartige Grab

Inszenierung der Söldner-Silhouetten im Friedgarten © BLDAM Foto: K. Sommer

Wer sind die 125 Soldaten in dem Grab? Wie wurde es entdeckt und ausgegraben? Wer hat die zahlreichen Untersuchungen durchgeführt?

Unmittelbar nach Betreten der Museumsräume entdecken Sie eine Insze­nie­rung aus Soldaten-Silhouetten. Durchschreiten Sie die Gruppe der Söldner und lernen Sie die persön­lichen Schicksale der Gefallenen kennen. Die Forscher, die die Ausgrabung durchgeführt und die Söldner­schicksale rekonstruiert haben, stellen sich vor.

2 Zeitsprung in den Dreißigjährigen Krieg
Wie lebten die Menschen im Dreißigjährigen Krieg? Wie schützten sie sich? Wie gingen sie mit Hunger und Elend um?

Zeitgenössischer Schatzfund von Fürstenberg © BLDAM Foto: D. Sommer

Originale Schriften und archäologische Funde geleiten Sie ins frühe 17. Jh. Mit dem Blick des Anthro­pologen lassen sich an menschlichen Skeletten die Ernährungs­weisen der Stadt- und Landbevölkerung ablesen. Wiederentdeckte Schatzfunde belegen die Ängste der Menschen vor Übergriffen und Verlust in dieser Unruhezeit.

3 Der Weg in die Armee
Wann und wie wurde man Söldner? Was bewegte die Menschen dazu, einem Regi­ment beizutreten? Bot die Armee wirklich ein neues Zuhause?

Abenteuerlust, Leid und Propaganda - viele Wege führten in die Armee © BLDAM Foto: D. Sommer

Deformation des linken Oberschenkelgelenkes. Der Soldat hinkte © BLDAM Foto: B. Jungklaus, BLDAM

Die Anwerbung und Musterung von Söldnern verlief in deutschen, schwe­dischen oder schottischen Regimentern sehr unterschiedlich. Die Funde von Wittstock zeigen, dass die militärischen Vorschriften nicht immer streng angewendet wurden.

4 Mit Schwert und Muskete
Welche Waffen gab es in den Schlachten? Welche Kriegstaktiken wendeten die Feldherren an? Wie erkannten sich Freund und Feind während des Kampfes?

Zeitgenössische Bewaffnung der Kavallerie © BLDAM Foto: D. Sommer

Unverschossene und verschossene Pistolenkugel vom Schlachtfeld © BLDAM Foto: D. Sommer

Originale Waffen, Kleidungs­bestand­teile und Ausstattungsgegenstände des Heeres führen Sie in die Militärwelt des 17. Jh.s. Reich bebilderte Kriegshandbücher erläutern die zeitgenössischen Neuerungen in der Waffentechnik und Kampfformation. Die zahlreichen Munitionsfunde vom Wittstocker Schlachtfeld werden kriminaltechnisch analysiert.

5 Der Berufsalltag
Wie sah der Berufsalltag eines Soldaten aus? Was musste er körperlich erdulden?

Marschierende Soldaten soweit das Auge reicht aus "Et Pace et Bello" von Stefano della Bella, Moravska Galerie Brünn © public domain

Lange Märsche, gewaltige Schanzarbeiten und Exerzierübungen mit den schweren Waffen hinterließen deutliche Spuren an den Knochen der Soldaten. Die Gescheh­nisse während der zwei Wochen vor der Schlacht bei Wittstock führen das an­stren­gende und unstete Leben in allgegenwärtiger Gefahr eindrücklich vor Augen.

6 Lagerleben und soziale Verhältnisse
Wie lebten die Söldner im Heerlager, wie die Frauen und Kinder im Tross? Wie ernährten sich diese »mobilen Großstädte«? Wie verbrachten die Menschen ihre freie Zeit?

Der Lageralltag © BLDAM Foto: D. Sommer

In einer rekonstruierten Zeltstadt stehen Sie inmitten des Lagerlebens: Historische und archäologische Exponate lassen die enor­men sozia­len Unter­schiede zwischen Offi­zieren und ein­fachen Soldaten sichtbar werden.

Die Nahrung verursachte bei einigen Söldnern enorme Kariesschäden sowie ein Abkauen der Zähne bis auf das Zahnbein © BLDAM Foto: B. Jungklaus

Die Folgen der damaligen Lebensbedingungen werden an ausgewählten Kno­chenexponaten de­monstriert.

7 Medizinische Versorgung
Was tat man bei Verletzungen und Krankheiten im Heer? Warum kosteten Seuchen und Epidemien weit mehr Menschen das Leben als die Schlachten? Wie sahen die Soldaten aus?

Veränderungen an Wirbelknochen aufgrund einer Tuberkulose-Erkrankung © BLDAM Foto: B. Jungklaus

Größere und kleinere Verwundungen waren an der Tagesordnung. Aber anders als heute konnte nur wenig für die Verletzten und Kranken getan werden. Oft waren medizinische Laien am Werk, die durch ihre Behandlungen das Leiden nur ver­schlimmerten. Die katastrophalen hygienischen Bedingungen boten keine guten Heilungsvor­aus­setzungen. Eine dreidimensionale Gesichtsrekon­struktion macht es Ihnen möglich, einem der Söldner Auge in Auge gegenüber zu stehen.

8 Die Schlacht und die toten Soldaten

Historische Dokumente und archäologische Erkenntnisse liefern ein genaues Bild der Schlacht © BLDAM Foto: D. Sommer

Was genau geschah am 4. Oktober 1636? Wer stellte sich wo für die Schlacht auf? Wie und woran starben die begrabenen Söldner? Wie hoch waren die Verluste?

Mit kriminalistischem  Gespür werden die Augenzeugenberichte und historischen Karten ausgewertet.

Moderne Luftbild­beob­achtungen und die Vermessung hunderter von Bleikugeln vom Schlachtfeld erlauben die weit reichende Rekonstruktion der Schlacht. Tauchen Sie in einer Videoinstallation filmisch in ihren Verlauf ein.

Mächtige Hiebe mehrerer Blankwaffenen am Kopf eines Söldners © BLDAM Foto: B. Jungklaus

Forensische und traumatologische Untersuchungen der Knochen klären die Verletzungen und konkreten Todes­ursachen. Wiederholte Mehrfach­ver­letzungen durch unterschiedliche Waffen lassen die Rage und Grausamkeit der Schlacht erahnen.

9 Das Grab und seine Funde
Wer hat die Söldner begraben und wer sie vorher ausgeplündert? Liegen Freund und Feind in einem Grab?

Etwa 125 tote Soldaten wurden Seite an Seite in das Grab gelegt (Foto: A. Grothe, BLDAM).

Das außergewöhnliche Grab mit den in mehreren Lagen übereinander bestatteten Soldaten, besitzt keine Parallelen. Die Herkunftsbestimmung der einzelnen Söldner belegt die multinationale Zusammensetzung der Armeen bis ins Grab. Eine künstlerische Inszenierung im Gewölbekeller des Pauliklosters ist der stille, emotionale Höhepunkt am Ende der Ausstellung.

10 Ausblick
Wo gibt es weitere interessante Ausstellungen?

Archäologische Ausgrabungen bringen mehr und mehr Relikte kriegerischer Auseinandersetzungen unserer Vergangenheit hervor. Auf einer großen Landkarte werden zahlreiche interessante Ausstellungen und authentische  Orte aus dem Dreißigjährigen Krieg vorgestellt.

Die Luftbildarchäologie ermöglicht einen guten Überblick aus großer Höhe © BLDAM Foto: J. Wacker

Immerse yourself in early 17th Century life. Two narrative threads will guide you through the ten sections of the exhibition: the first explains the historical background, while the second presents the fascinating results of the new research.

1 The unique grave
Who are the 125 soldiers in the grave? How was it discovered and excavated? Who conducted the research and analysis?

Artist’s impression of the mercenary silhouettes on display in the cloister of St. Paul’s Priory (Graphic: J. Junghänel, BLDAM).

Immediately upon entering the museum you will encounter a display of soldier silhouettes. Take your time to walk through the crowd of mercenaries and learn the fate of each one. A series of short profiles introduce the researchers who carried out the excavation and discovered what happened to the mercenaries.

2 A leap back in time
How did people survive during the Thirty Years War? How did they defend themselves? How did they cope with hunger and poverty?

A hoard of precious metal from the Thirty Years War. Found in Fürstenberg in the district of Oberhavel (Photograph: D. Sommer, BLDAM).

Original documents and archaeological finds take you back into the early 17th Century. Viewed through the eyes of an osteoarchaeologist, human skeletons reveal the diet of the urban and rural population. Hoards of coins and other valuables are evidence of the fear of assault and loss during these troubled times.

3 Becoming a soldier
When and how did people become mercenaries? What motivated them to join a regiment? Did the army really offer them a better life?

Muster roll of the Swedish cavalry regiment commanded by William Gunn. The muster was taken in 1636, the year of the Battle of Wittstock (Photograph: S. Eickhoff, BLDAM).

The joint of the left thighbone is deformed. The soldier would have limped during his lifetime (Photograph: B. Jungklaus, BLDAM).

The procedures used to recruit and enlist mercenaries varied greatly between the German, Swedish and Scottish regiments. The finds from Wittstock show that the military regulations were not always strictly applied.

4 With sword and musket
What weapons were used during the war? Which military tactics did the commanders employ? How did the combatants distinguish between friend and foe on the battlefield?

Swept hilt rapier dating from the first half of the 17th Century (On loan courtesy of J. Fricker, Dinkelsbühl; Photograph: D. Sommer, BLDAM).

Unfired and fired pistol shot from the battlefield. The latter deformed on impact (Photograph: D. Sommer, BLDAM).

Original weapons, items of army equipment and clothing take you back into the world of 17th Century warfare. Richly illustrated military manuals outline the innovations in weapons technology and battle tactics during the period. Forensic analysis of the munitions found on the Wittstock battlefield reveals details of the weapons that were used.

5 Everyday life in the army
What was daily life like for the soldiers? What did they have to endure physically?

Marching soldiers as far as the eye can see (Stefano della Bella, an etching from the series Et Pace et Bello, courtesy of the Moravska Galerie, Brno, public domain).

The long marches, construction of massive entrenchments and drill with heavy weapons took their physical toll and left visible traces on the soldiers’ bones.

The events of the two weeks leading up to the Battle of Wittstock serve as a striking example of a strenuous and unsettled life, lived in constant danger.

6 Camp life and social conditions
What was life like for the mercenaries in the army camp and for the women and children in the baggage train? How did these “moving cities” support themselves? What did the people do in their spare time?

In a reconstructed encampment you will come face to face with life in an army camp.

The diet of the mercenaries caused some of them to suffer from extensive tooth decay and dental attrition. In this example the enamel has been worn down to expose the underlying dentine (Photograph: B. Jungklaus, BLDAM).

Historical documents and archaeological artefacts reveal the enormous social differences between the officers and the ordinary soldiers.

Buckle made of copper alloy (Photograph: D. Sommer, BLDAM).

The effects of the poor living conditions are shown using selected examples from the skeletons found in the grave.

7 Medical care
How did they treat injuries and illnesses in the army? Why did diseases and epidemics cost so many more lives than the fighting? What did the soldiers look like?

Partial destruction of vertebrae caused by tuberculosis (Photograph: B. Jungklaus, BLDAM)

Injuries and illnesses were common but, unlike today, little could be done to help the wounded and the sick. There was no organised medical care and treatment was normally in the hands of laypeople which, more often than not, only made the suffering worse. In addition, the terrible sanitary conditions were not a good prerequisite for a patient’s recovery. A three-dimensional facial reconstruction allows you to stand literally eye to eye with one of the mercenaries.

8 The Battle and the dead soldiers
What exactly happened on the 4th of October 1636? Which forces were deployed and where? What caused the deaths of the mercenaries in the mass grave? How many casualties were there?

This copperplate engraving shows the chronological order of events during the battle (Matthäus Merian, Battle of Wittstock, courtesy of the Museum des Dreißigjährigen Krieges, Wittstock)

Eyewitness accounts and historical maps are evaluated with criminological intuition.

Powerful blows to the head from a number of edged weapons killed this soldier (Photograph: B. Jungklaus, BLDAM)

Using the results of modern aerial surveys and the analysis of the spatial distribution of the hundreds of lead shot found on the battlefield, a broad reconstruction of events is possible. You will be able to follow their course in a video installation. Forensic analysis of the bones determine the causes of injury and death. The repeated occurrence of multiple injuries caused by different weapons gives an indication of the brutality and ferocity of the fighting.

9 The grave and its contents
Who looted the bodies of the mercenaries and who buried them? Do friend and foe lie together in the same grave?

Approximately 125 dead soldiers were laid side by side in the grave (Photograph: A. Grothe, BLDAM)

This extraordinary grave is unique. The dead from different countries were buried together in several layers one on top of the other. The diverse geographical origins of the mercenaries, determined using stable isotope analysis, confirm the multinational composition of the army. A display of the grave forms the tranquil yet emotional climax of the exhibition. In the vaulted cellar of St. Paul’s Priory, an artistic reconstruction of the grave forms the tranquil and emotional climax of the exhibition.

10 Outlook
What is battlefield archaeology? Where are there other interesting exhibitions?

Aerial archaeology allows a new perspective (Photograph: J. Wacker, BLDAM)

Archaeological excavations are bringing more and more evidence of past military conflict to light. A media station provides you with information about the methods used in the archaeological investigation of battlefields. Other sites dating to the period of the Thirty Years War are shown on a large map.